Bachelor International Business and Management – Ein Erfahrungsbericht


Ricardo Hirsch hat einen wirklich internationalen Lebenslauf. Nach der Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Stadtsparkasse Rahden hat er erst seine Fachhochschulreife am Abendgymnasium Bielefeld auf dem zweiten Bildungsweg absolviert. An der FH Osnabrück begann er im Oktober 2007 den Bachelor-Studiengang International Business and Management und allein von 2007 bis 2009 absolvierte er drei Aufenthalte im Ausland. Wir haben ihn zu seinen Erfahrungen mit dem Studium befragt.

Lieber Ricardo, vielen Dank, dass du dir die Zeit für unsere Fragen nimmst. Wie kamst du zu dem Entschluss, ein paar Jahre nach der Ausbildung zum Bankkaufmann noch ein Studium zu beginnen?

In der Zeit nach meiner Ausbildung zum Bankkaufmann habe ich bereits mehrere berufliche Stationen durchlaufen. Erst ein Jahr im Marketing der Sparkasse, wo ich bereits gelernt habe und anschließend habe ich fünfeinhalb Jahre bei der Firma HAN in Herford als Vertriebsinnendienst-Mitarbeiter meine Erfahrung gesammelt. Besonders in den Jahren in Herford habe ich schnell den Entschluss gefasst, dass ich mit meiner bisherigen Ausbildung (Realschulabschluss + Bankkaufmann) mich wirtschaftlich nicht sehr weit entwickeln kann. Also war der Entschluss, an das Abendgymnasium zu gehen und die Fachhochschulreife zu erlangen, schnell gefasst. Auch habe ich mir bereits zu dem Zeitpunkt intensive Gedanken zum anschließenden Studium gemacht und es kam für mich im Bereich der BWL nur eine internationale Ausrichtung des Studiengangs in Frage. Den Grund sah ich in einer möglichen Abgrenzung von der Vielzahl von BWLern, die pro Jahrgang auf den Arbeitsmarkt strömen.

Wo und wie hast du dich denn über die verschiedenen Studienmöglichkeiten und Studiengänge im Bereich Internationales Management informiert? Was rätst du Studieninteressenten, wie sie die Studienwahl angehen sollten?

Zu dem Wo: Ich habe mich hauptsächlich im Internet umgeschaut. Habe Google und das Angebot der Welt (CHE) genutzt um einen ersten Eindruck der Studiengänge zu bekommen. Ich hatte dann eine Auswahl von, ich meine es waren 4 Studienprogrammen, die ich dann im Detail mit Hilfe der Homepages der FHs angeschaut habe. Auch habe ich mit Freunden gesprochen, die zu dem Zeitpunkt „normal“ BWL studiert haben. Aus diesen Gesprächen ergaben sich schnell auch neue positive sowie nachteilige Aspekte eines solchen internationalen Studiums. Ich kann mich gut an die Warnung bezüglich der Auslandsaufenthalte erinnern und welche Auswirkung diese auf eine Beziehung haben könnten.

Zur letzten Frage der Herangehensweise: Sicherlich sollte man seine eigenen Interessen bei der Wahl nie aus den Augen verlieren. Doch wenn es eine Auswahl von interessanten Studiengängen gibt, sollte man auch zukünftige Pros und Contras abschätzen können und sich für ein Studium entscheiden, was eine gewisse Zukunftssicherheit bietet. Für mich war der global immer stärker zusammenwachsende Arbeitsmarkt ein schlagendes Argument. Dieses spiegelte sich auch in der damaligen EU-Arbeitsmarkt Politik wider, in der ein möglichst hoher Grad an Flexibilität als ein Garant für einen sicheren Arbeitsplatz aufgezeigt wird.
Ich denke aber auch, dass die Situation der Studienwahl sehr differenziert betrachtet werden muss. Sieht man sich Personen wie mich an, die bereits eine gewisse berufliche Erfahrung gemacht haben, fällt es diesen Personen eventuell etwas leichter sich für ein Studium zu entscheiden, als für jemanden, der sich nach dem ABI vielleicht noch nicht seiner Zukunft im Klaren ist. Fazit: Ich war glücklich Interesse an BWL zu haben und habe mich dann aus wirtschaftlichen Gründen für das International Business and Management Studium auf Englisch entschieden.

Du hast dich letztlich für den Studiengang International Business and Management an der Fachhochschule Osnabrück entschieden. Wie kamst du zu dem Entschluss?

Ich habe, nachdem ich die Auswahl von ca. 4 ganz ähnlichen Studienprogrammen hatte, auch auf das aktuelle CHE-Ranking geschaut. In Bayern wurde zu dem Zeitpunkt das NRW Fachabi nicht anerkannt, somit fiel Reutlingen als renommierter BWL-Standort aus. In Münster (auch gutes Ranking) habe ich an einem Eignungstest für den Studiengang European Studies teilgenommen. Der Test bestand aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil, in dem ich aufgrund fehlender Erfahrung im englischsprachigen Ausland mich anderen Bewerbern geschlagen geben musste. Auch Osnabrück hatte sprachliche Einstiegsbarrieren, die ich aber erfüllt habe. In wieweit der Fachabi-Schnitt hierbei auch Rolle gespielt hat, weiß ich nicht genau. Aber vorstellbar ist es natürlich, dass auch dieser Berücksichtigung fand.

Kannst du uns ein paar Einblicke in deinen Bachelor-Studiengang geben? Was sind die Studieninhalte? Welche Schwerpunkte kannst du wählen bzw. setzen? Wie ist die Studienatmosphäre an der FH Osnabrück?



Ich kann leider keinen Überblick über alle Studiengänge gegen. Ich denke, dass die Atmosphäre sehr unterschiedlich ist. Mein Studiengang IBME wurde zB nur alle zwei Semester für ca. 50 Studis angeboten – im Gegensatz zum klassischen BWL Studiengang, der jedes Semester mit 2-3 Klassenverbänden à ca. 50 Leuten angeboten wurde. Die FH Osnabrück ist eine vergleichsweise kleine FH mit Vorlesungsräumen für max. 70 Leute. Die Raumkapazitäten liegen im Schnitt jedoch weit darunter. Das habe ich als eine top Vorlesungsumgebung empfunden. Studenten und Dozenten haben schnell einen persönlichen Zugang gefunden. Auch fördert dies den aktiven Austausch zwischen Dozent und Studenten. Es wurde großen Wert auf Vorlesungen gelegt, in den Fragen gestellt und beantwortet wurden. Der Studiengang IBME besteht aus ca. 50% deutschen und 50% ausländischen Austauschstudenten, was von Beginn an, den Austausch mit vielen verschieden Studenten aus verschiedenen Nationen ermöglicht hat. Das Curriculum für den Studiengang IBME findet man hier.

Inwieweit bestimmen internationale Inhalte dein Studium? Auf welche Einsatzbereiche wird man vorbereitet?

Internationale Inhalte dominieren das Studium. In Rechnungswesen bzw. Accounting wird das HGB zwar erwähnt, doch ist IFRS prüfungsrelevant. In den Sprachvertiefungen wird verstärkt auf internationale Kommunikation und kulturelle Unterschiede eingegangen. Dies wird dann im 5. Semester noch einmal speziell zum Thema in dem Kurs Cultural Management in dem es nur um diese Unterschiede geht. Auch hier wieder sehr schön, den Austausch mit der Vielzahl mit teilnehmenden internationalen Studenten zu suchen. Natürlich wird in manchen Fächern auch allgemeingültiges unterrichtet. Financial Management ist auf der Welt zB sehr vereinheitlicht. Europäische Integration ist ein großes Thema. Die meisten Lehrbücher stammen von englischsprachigen Autoren, wodurch auch viel internationaler Bezug aufgebaut wird.

Du hast viele Auslandsaufenthalte in deiner Studienzeit untergebracht und u.a. zwei Summer Schools in Bangkok und Südkorea besucht. Was sind die größten Unterschiede zwischen deutschen und ausländischen Hochschulen?

Ich kann natürlich nicht für alle deutschen und ausländischen Hochschulen sprechen. Die Unterschiede zwischen der FH Osnabrück und zB der Seoul National University, der Chulalonkorn University in Bangkok war zum einen der enorme Größenunterschied und auch die Finanzierungs-Strukturen. Das waren beide elitäre Hochschulen, an denen die Studenten, mit denen ich zu tun hatte, sehr stolz waren, Teil der Hochschule zu sein. Ich denke nicht, dass wir während dieser Summer School den tatsächlichen Lernalltag kennenlernt haben. Der kulturelle Austausch stand mehr im Vordergrund und so waren beide Hochschulen sehr bemüht neben den Unterrichtseinheiten, Einblicke in landestypische Dinge zu geben. Dazu gehörten in Korea Ausflüge zu Samsung, traditionelles Essen und weitere Abendveranstaltungen…

Wenn du dich nochmal entscheiden müsstest – würdest du wieder den Bachelor International Business and Management wählen? Und wieder an der FH Osnabrück?

Ich würde nach der Erfahrung auf jeden Fall wieder an die FH Osnabrück gehen. Ich habe es sehr genossen nicht ein Student von vielen zu sein, sondern in Dozenten jederzeit einen Ansprechpartner auf Augenhöhe zu sehen, die ständig bemüht sind, die kleine Gruppe bestmöglich auf das den Arbeitsalltag vorzubereiten und mit Rat und Tat zur Verfügung stehen. Ich denke, dass durch diesen kleinen Kreis schon erstes Netzwerken zwischen Studenten und Dozenten stattfindet, was zB im meinem Fall, zu einem direkten Einstieg in die Berufswelt geführt hat.

Ricardo, vielen Dank für die ausführlichen Antworten rund um dein Studium. Wir wünschen dir alles Gute und vor allem einen erfolgreichen Studienabschluss.